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Mai 2010
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Das Vermächtnis von Johannes Paul II 

Das Vermächtnis von Johannes Paul II

“Nun werde ich den Vorzug haben, einige mit dem Leben, dem Tod und der Auferstehung Jesu Christi enger verbundenen Stätten zu besuchen,”1 sagte seine Heiligkeit Papst Johannes Paul II., als er im März 2000 seine historische Pilgerfahrt in das Heilige Land machte.

“Mit tiefer Ergriffenheit setze ich heute meinen Fuß in das Land, wo Gott beschloß “sein Zelt aufzuschlagen” (Joh 1,14; Ex 40,34-35; 1 Kön 8,10-13), und es den Menschen ermöglichte, ihm unmittelbarer zu begegnen. Es ist mein starker persönlicher Wunsch gewesen, in diesem Jahr des zweitausendsten Jahrestages der Geburt Jesu Christi hierherzukommen und an den bedeutendsten Stätten zu beten, die seit ältesten Zeiten das Eingreifen Gottes, die Wundertaten, die er vollbrachte, erlebt haben. “Du allein bist der Gott, der Wunder tut, du hast deine Macht den Völkern kundgetan.” (Ps 77,15) 2

John Paul II

Die Jubiläumspilgerfahrt in das Heilige Land war der Höhepunkt aller päpstlichen Pilgerreisen von Seiner Heiligkeit. Sein Besuch der Wiege des Christentums hatte historische, emotionale sowie spirituelle Bedeutung, und zwar nicht nur für die Christenheit, sondern auch für das Jüdische Volk.

Als "Apostel des Friedens und der Aussöhnung," war sein Besuch in Israel ein weiterer Schritt in Richtung Vertiefung der christlich-jüdischen Versöhnung: “Während diese Liebe zum Heiligen Land Ausdruck für das Gedenken ist, zu dem sich die Christen verpflichtet fühlen, will sie zugleich die tiefe und bleibende Beziehung ehren, die die Christen mit dem jüdischen Volk verbindet, dem Christus dem Fleisch nach entstammt (vgl. Röm 9, 5). Einen weiten Weg hat man in diesen Jahrzehnten, besonders nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, zurückgelegt, um einen fruchtbaren Dialog mit dem Volk aufzubauen, das Gott als erstes dazu erwählt hat, seine Verheißungen und den Bund zu empfangen. Das Jubiläumsjahr soll eine weitere Gelegenheit dazu sein, daß das Bewußtsein der uns einigenden Bande wächst. Es soll einen Beitrag leisten zur endgültigen Behebung von Miß- und Unverständnis, das leider im Laufe der Jahrhunderte das Verhältnis zwischen Christen und Juden sehr oft bitter getrübt hat.” 3

John Paul II in Western Wall

Er war der erste Papst, der jemals an der Westmauer gebetet hat. Unter den Augen von Milliarden Menschen, und gemäß der alten jüdischen Tradition platzierte er ein aufgeschriebenes Gebet in einem Spalt der Mauer.

Das Gebet lautete:

“Gott unserer Väter,
du hast Abraham und seine Nachkommen auserwählt,
deinen Namen zu den Völkern zu tragen:
Wir sind zutiefst betrübt über das Verhalten aller,
die im Laufe der Geschichte
deine Söhne und Töchter leiden ließen.
Wir bitten um Verzeihung und wollen uns dafür einsetzen,
daß echte Brüderlichkeit herrsche
mit dem Volk des Bundes.” 4

Möge sein Vermächtnis fortleben. 

1-Aus der Ansprache des Heiligen Vaters Papst Johannes Paul II. bei der Willkommenszeremonie in Israel, am Ben-Gurion-Flughafen, Dienstag, 21. März 2000. Quelle: Libreria Editrice Vaticana.
2-Ibid.
3-Passage aus dem Brief von Papst Johannes Paul II. über die Pilgerfahrt zu den Stätten, die mit der Heilsgeschichte verbunden sind – 29. Juni 1999. Quelle: Libreria Editrice Vaticana.
4-Gebet des Heiligen Vaters Papst Johannes Paul II. an der West-Mauer, Jerusalem, 26. März 2000. Quelle: Libreria Editrice Vaticana.

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