Die Sprache Jesus

 

Aramäisch kam im 10. vorchristlichen Jahrhundert auf und hat sich bis 500 Jahre später zur wichtigsten Sprache im Nahen Osten entwickelt, gesprochen und geschrieben von Ägypten bis Indien. In Eretz Israel sprachen die Menschen noch bis etwa zum 2. Jahrhundert der Zeitrechnung einen späten hebräischen Dialekt. Die Sprache jedoch, die vom größten Teil der Bevölkerung gesprochen wurde, war ein als Westaramäisch bezeichneter aramäischer Dialekt.

Soweit uns bekannt ist, sprachen die Juden Galiläas gegen Ende der Periode des Zweiten Tempels ausschließlich Aramäisch. Hebräisch hielt sich zu der Zeit als Umgangssprache nur noch im südlichen Teil Judäas. Es kann also davon ausgegangen werden, dass Jesus Aramäisch sprach.

 

Aramäisch hielt sich während der byzantinischen und später während der muslimischen Periode als Umgangssprache der jüdischen und später der christlichen Bevölkerung in Eretz Israel, wobei es zunehmend dem Arabischen weichen musste. Aus der Zeit ab dem 6. Jahrhundert liegt uns eine große Anzahl in Aramäisch verfasster christlicher Texte aus Eretz Israel vor, die der bis ins späte Mittelalter hinein Aramäisch sprechenden christlichen Gemeinde dienten.

 

Der als Altsyrisch bezeichnete aramäische Dialekt dient bis heute als Gebetssprache für Millionen Christen im Nahen Osten und in der Diaspora. Die gesprochene Version dieser Sprache befindet sich jedoch in einem aussichtslosen Überlebenskampf.

Pilgerreisende in Israel, die an dieser Sprache interessiert sind, können sie hören, wenn sie Messen der Syrisch-Orthodoxen Kirche, der Syrisch-Katholischen Kirche und der Maronitischen Gemeinde besuchen.

    

 

Prof. Michael Sokoloff

 

armaic-book