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Der Kustos des Heiligen Landes, Pater Pierbattista Pizzaballa, ruft auf: Lasst das Heilige Land nicht im Stich

Terroranschläge fundamentalistischer Gruppierungen weltweit beeinträchtigen die Pilgerfahrten ins Heilige Land, so dass die Anzahl der Pilger um mehr als 40 Prozent zurückgegangen ist. Trotz einiger Anzeichen für Besserung bleibt die Angst vor dem Besuch des gelobten Landes bestehen.
Ich höre auf die Stimmen der verschiedenen christlichen Gemeinden Israels und rufe Ihnen zu: „Lasst das Heilige Land nicht im Stich.“ Es gibt keinen nachvollziehbaren Grund, keine weiteren Wallfahrten zu den heiligen Stätten zu organisieren. Die Sicherheit in Schreiben und von Pilgern besuchten Gebieten ist garantiert. Wir Christen des Heiligen Landes sind mehr als je zuvor auf die Anwesenheit und die Unterstützung der Pilger angewiesen, die aus der ganzen Welt zum Gebet hierher kommen.
Als Christ im Heiligen Land hat man eine besondere und universelle Berufung. Hier setzt sich die Lateinische Kirche im wesentlichen aus drei Gruppen zusammen: der lokalen, traditionellen Gemeinden der christlichen Araber; einer neuen Gemeinde, die Evangelikale, messianische Juden und Katholiken vereint; der internationalen Gemeinde, die viele ständig im Heiligen Land lebende ausländische Arbeitnehmer umfasst, vor allem Filipinos, Südamerikaner und Inder, sowie einige andere Gruppen mit verschiedenen Hintergründen, die kürzere oder längere Zeit hier verbringen. Neben der Lateinischen Kirche finden sich im Heiligen Land weitere bedeutende christliche Kirchen, die wichtigsten sind die Griechisch-Orthodoxe Kirche, die Armenische Kirche und die Koptische Kirche. Selbst innerhalb der gleichen katholischen Welt gibt es Gruppen mit unterschiedlichen Ritualen.
Jerusalem und die heiligen christlichen Stätten sind bis heute grundlegende Symbole des Glaubens, des Lebens, des Todes und der Auferstehung Jesu. All diese Ereignisse fanden an diesem Ort statt. Alle Christen, selbst die in den entlegensten Winkeln der Erde, schauen auf das Heilige Land, um die Symbole ihrer Wurzeln und die wahre Bedeutung Ihrer Entsendung in die Welt zu entdecken. Im Heiligen Land können Sie das Leben Jesu nachfühlen und das Neue Testament erleben. Hier können Sie sehen, zuhören, meditieren, die Stille genießen und die tiefere Bedeutung und das Geheimnis des Lebens und Wirkens Jesu begreifen. Im Heiligen Land können Sie dieselben Gerüche, Bilder und Farben erleben, die schon Jesus kannte, als er sich selbst der Welt offenbarte.
Christen im Heiligen Land sind seit jeher eine Minderheit, doch sie waren immer hier. Sie sind lebendes Zeugnis eines höheren Glaubens, sie lieben ihre eigene Geschichte und ihre eigenen Ideen, fürchten keine Veränderungen, sind offen, friedlich, positiv und zugleich klar in ihrem Sinn für Identität und in ihrer Zugehörigkeit verwurzelt. Sie richten ihren Blick in die Zukunft, sind Hüter der heiligen Stätten, welche die Tradition und das Gedächtnis des gesamten Christentums darstellen.
Um diese Präsenz zu sichern (und wenn möglich auszubauen) rufe ich erneut alle Diözesen, Pfarreien und Bewegungen dazu auf, uns nicht allein zu lassen. Veranstaltet Wallfahrten ins Heilige Land und setzt ein Zeichen für Frieden und Dialog. Ich bin zuversichtlich, dass dieser Ruf von den vielen italienischen Katholiken (und anderen) begrüßt wird, denen das Heilige Land am Herzen liegt. Ich begrüße alle Gläubigen, die den Spuren Jesu folgen möchten.

Pierbattista Pizzaballa OFM
Kustos